Lotta zum Valentinstag über – Fleisch!

Allgemein

Ihr wollt mehr von Lotta? Wundert uns gar nicht. Jeder hier im Verlag liest sie und kichert leise in sich hinein, lacht manchmal aber auch schallend auf. Nach ihrem opulenten Kochbuch ist sie jetzt unter die Sachbuchautorinnen gegangen und hat sich dem winzigen Themenfeld von Leben, Kochen, Essen, Beziehungen…ach, von noch viel mehr gewidmet. Hier eine exklusive Leseprobe zum Thema „Fleisch“ aus „Kochen ist ein sanfter Lover“ zum selberlesen oder zum Vorlesenlassen von der/dem liebsten am heutigen Valentinstag.

Lotta hat ihr neuestes Buch schon in wenigen prägnanten Fragen hier im Blog erklärt, jetzt wollen wir mehr von ihr lesen. In ihrem Kapitel „Fleisch“ schreibt sie über die drei Fleischfraktionen, die sie ausgemacht hat:

Fleisch ist das Leben

Fleisch ist Mord

Essen ist Fleisch

Ihre Gedanken zur ersten Gruppe, Fleisch ist das Leben, könnt ihr hier nachlesen.
Die folgende Passage stammt aus Lotta Lundgren: Kochen ist kein sanfter Lover. Umschau Verlag 2016 (erhältlich ab dem 24.2.2016).

Fleisch ist eines der besten Gesprächsthemen der Welt. Wenn Sie in einer Runde sitzen, in der die Unterhaltung gerade stockt und die Stimmung etwas unterkühlt und diffus scheint – dann ködern Sie die anderen mit Fleisch und lassen sie anbeißen. Zum Thema Fleisch hat nämlich jeder eine Meinung. Und nicht selten ist er sehr überzeugt davon. Und wenn dieses bunte Allerlei an Überzeugungen, was Fleisch angeht, aufeinanderprallt, kann leicht eine Situation entstehen, die wesentlich schwerer unter Kontrolle zu halten ist, als wenn ein Stück Rind in einer heißen Bratpfanne landet.

Von Zeit zu Zeit sollte man sich wirklich eine engagiertere Fleischdebatte gönnen, und wenn es nur dafür ist, dass man spürt, man lebt. Aber aus dem Lästern über die Essgewohnheiten eines anderen einen Lebensstil zu machen, finde ich unsinnig. Zum einen, weil es wirklich wichtigere Dinge gibt, über die man sich aufregen sollte. Zum anderen finde ich, wir sollten in gewissem Umfang versuchen, uns um die anderen zu sorgen.

Im ersten Teil dieses Kapitels möchte ich Ihnen eine kleine Auswahl der bekanntesten Unruheherde rund um das Thema Fleisch vorstellen. Danach werde ich Ihnen erklären, wie man gutes Fleisch erkennt und auswählt und wie Fleisch im Zusammenspiel mit Hitze funktioniert. Am Ende lernen wir die Fleischstücke kennen, die sich in jeder durchschnittlichen Fleischtheke tummeln, und schauen uns an, wie man sie angemessen und mit Respekt behandelt.

TEIL 1: FLEISCHFRAKTIONEN

„FLEISCH IST DAS LEBEN“

In jedem Grüppchen Menschen, das sich über Fleisch unterhält, gibt es mindestens einen Mann (denn es ist immer ein Mann), der sich über den Geschmack, den Marmorierungsgrad und den Kilopreis diverser besonders ausgefallener, saftiger Fleischstücke, in die er dankenswerterweise hineinbeißen durfte, ausführlich auslassen muss, und der dies mit einer Inbrunst tut, die vielleicht nachvollziehbar wäre, wenn er das Rind selbst erfunden hätte und dieses essbare Tier nun einem breiteren Publikum schmackhaft machen wollte. Wenn man massenhaft Zeit und zudem starke Nerven hat, kann das sowohl lehrreich als auch unterhaltsam sein, sich die endlosen Tiraden darüber, wie die Fleischqualität bei einer etwas fettgesprenkelten Kuh mit der Rasse des Tieres, seiner Herkunft, seinem Geschlecht, seinem Stammbaum, seiner Stimmung, seinem Futter, seiner Form, seinem Musikgeschmack, der Zeit des Abhängens und der Methode variieren. Erst wenn sich das Gespräch in ein aggressives Gerede steigert und der Betreffende in Dialekt verfällt, um ausführlich darzulegen, wie unglaublich lecker es ist, Fleisch zu essen, wird es langsam etwas anstrengend: die anatomischen Details des perfekten Geschmackserlebnisses, die schweißsalzigen Säfte, die blutigen Mineralnuancen, das heiße und willige Fleisch, das auf der Zunge zergeht …

Entschuldigen Sie, wenn ich so schmerzhaft kurz vor dem Höhepunkt unterbreche. Denn es gibt kein Fleisch, das „auf der Zunge zergeht“, und man kann auch keinen intensiven Sex mit etwas haben, das nicht mehr lebt. Ein Steak ist nur ein Steak, wie perfekt die Bedingungen, was Herkunft und Zubereitung angeht, bevor es auf dem Teller landete, auch sein mögen. Wenn man eine große Leidenschaft für gebratene Fleischstücke hegt und bei jedem Besuch in einem erstklassigen Restaurant das Menü mit Steak bestellt, es blutig haben möchte und es dann mit einer gekünstelten Kennermiene verzehrt, ist keineswegs ein Hinweis darauf, dass man ein leidenschaftlicher Feinschmecker ist. Es ist ein Zeichen dafür, dass man Angst vor dem Essen hat und wenig Phantasie noch dazu.

Essen, Getränke und deren Zubereitung sind ein gigantisch weites Feld. Kein Mensch ist groß oder hungrig genug, um alles, was es gibt, zu entdecken, zu verstehen oder auszuprobieren. Wir müssen uns damit begnügen, den winzigen Teil, den wir in unserer Lebenszeit essen können, zu testen. Das Schlimmste, was man sich antun kann, ist nach etwas wie dem „perfekten Geschmackserlebnis“ zu suchen. Zum einen, weil es solche Erlebnisse nicht gibt und zum anderen, weil dieser Grad von Perfektion wohl kaum das ist, was unser Leben sinnerfüllt und interessant macht, zum anderen aber, weil es die Anzahl der möglichen Abenteuer unnötig einschränkt.

Solche selbstverliebte Spezialisten schrumpfen große Welten klein und reduzieren unbegrenzte Möglichkeiten auf einen Punkt, den man kontrollieren und beherrschen kann. Es ist möglich, nahezu alles über Maltwhisky oder Steaks oder Eierkäse zu wissen und dieses eine Lebensmittel auf dem kleinen Feld, das man sich erobert hat, ständig zu durchkauen. Aber wirklich viel Spaß macht das nicht.

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